Donnerstag, 23 Oktober, 2014 10:57 AM

Orientalische Musik-Sommerakademie Badenweiler
29.8. - 1.9.2013

Konzerte & Workshops


 

Die Menschen sind die Feinde dessen, was sie nicht kennen“
(Ali Ibn Abi Talib, 598-661 n. Chr.)

Internationales Dozententeam unterrichtete Teilnehmer aus sechs europäischen Ländern bei der
3. Orientalischen Musik Sommerakademie in Badenweiler vom 29. August bis 1. September

Text und Fotos: Ulrike Askari

Dieser Text wurde in einer überarbeiteten Version auch bei Qantara.de veröffentlicht.

Durch die Unterstützung der Baden Württemberg Stiftung sowie des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden Württemberg, im Rahmen des Innovationsfond Kunst, konnte Matthias Wagner, Lauten-Bauer aus Badenweiler, die Orientalische Musik Sommerakademie im Kunstpalais in Badenweiler nun zum dritten Mal ausrichten. Durch seinen Beruf, in dem er auch arabische Lauten restauriert und nach alten Mustern neu baut, hat Wagner viele Kontakte zu Oud-Spielern in der arabischen Welt und in Europa. Immer wieder wurde er in der Vergangenheit eingeladen, seine Instrumente auszustellen. Irgendwann wurde er gefragt, ob er nicht auch Workshops organisieren können. Daraus entstand dann nach und nach die Idee, Workshops für alle klassisch-arabischen Musikinstrumente anzubieten: Oud, Qanun, Nay, Perkussion und Gesang.

Die stetig steigenden Teilnehmerzahlen zeigen, dass Matthias Wagner, Initiator und Organisator dieser in Europa einmaligen Musikakademie, mit seiner Idee, Workshopteilnehmer und Konzertbesucher über das Kennenlernen der arabischen Musik an die Kultur allgemein heranzuführen, auf dem richtigen Weg ist.

Das Programm sah neben den Workshops auch Vorträge und Konzerte vor. So kamen Hossam Mahmoud, ein in Salzburg lebender Ägypter und Frank Stadler aus Salzburg zum Konzert nach Badenweiler. Ihre Vorstellungen von dem „Atem der Reinheit“, wie sie ihr Konzert genannte hatten, wichen offensichtlich deutlich von dem des Publikums ab, denn viele Besucher verließen vorzeitig das Konzert. Möglicherweise war es für den Rahmen der Sommerakademie mit klassisch-arabischer Musik zu innovativ und wegen fehlender Erklärungen nicht nachvollziehbar.

Das Konzert des Dozenten Adel Salameh mit dem französischen Cellisten Didier Petit und dem griechischen Lawta-Spieler Dimitris Varelopoulos, in dem sie Stücke seines Programms Awda vorstellten, traf dagegen eher auf den Publikumsgeschmack, wenngleich auch dieses bereits von der Klangmischung sehr neu war und sowohl Didier Petit als auch Adel Salameh sehr jazzige Improvisationen bzw. Taqasim spielten.

auf der Terrasse des Kunstpalais, Foto: Ulrike Askari alterantiver Übungsraum, Foto: Ulrike Askari morgendliche Runde, Foto: Ulrike Askari

Zum Vortrag über Kulturelle und wissenschaftliche Brücken zwischen Orient und Okzident war Nadja Madani-Moudarres, Vorsitzende des Vereins Freunde Arabischer Kunst und Kultur e.V., aus Heidelberg angereist. Weitere theoretische Unterweisungen bekamen die interessierten Teilnehmer von Thomas Kornmaier in einer Fragestunde und in den großen gemeinsamen Runden, in denen allmorgendlich das Programm für den Tag vorgestellt wurde. Denn die Idee der Dozenten war es, ein kleines Programm von klassischen Stücken zu erarbeiten, um es am letzten Tag gemeinsam zu präsentieren. Mustafa Said, ein leidenschaftlicher Sammler alter arabischer Musik, hat zu diesem Zweck eigens das Instituts für die Archivierung arabischer Musik und Forschung (AMAR) im Libanon gegründet. Er erläuterte die Rhythmen (arab.: Iqa, pl. Iqat), die Sprachmetrik (arab.: Bahr, pl. Buhur al-Shar) und die Tonarten (arab.: Maqam, pl. Maqamat) der ausgewählten Lieder, erzählte über die Geschichte, die Komponisten und Dichter und überhäufte die Zuhörer mit Informationen, von denen er so viele hat, dass er übersprudelt in seinen Erläuterungen. Kaum eine Frage, die er nicht beantworten könnte.

Die Dozenten waren

Auf der Terrasse des Kunstpalais Badenweiler, in dem die Workshops stattfanden, hörte man bereits das laute Dum tak Dum der Trommler. Auf der Treppe klangen dem Besucher die ersten, noch etwas unsicheren Flötentöne der Nayschüler entgegen und ein Stockwerk höher arabischer Gesang und Lautentöne, Lachen und fröhliches Stimmen- und Sprachengewirr. Die einzelnen Kurse waren unterschiedlich stark frequentiert: von einem bis zehn Schüler. Manche Teilnehmer kannten sich bereits aus den vergangenen Jahren.

Menschen aus Italien, Frankreich, der Schweiz, Belgien, Österreich und Deutschland, unter ihnen viele arabischer Herkunft trafen sich in dem kleinen Kurort Badenweiler im äußersten Südwesten Deutschlands, um klassisch-arabische Musik zu lernen. Sie sind Musiktherapeuten, Sozialarbeiter, Angestellte, aber auch einfach Liebhaber der arabischen Kultur und suchen einen erweiterten Einblick in die Spieltechnik arabischer Instrumente.

Musik rund um die Uhr, Foto: Ulrike Askari Qanununterricht, Foto: Ulrike Askari Präsentation der Klasse von Joss Turnbull, Foto: Ulrike Askari

Die Präsentation der erarbeiteten Stücke am Sonntag brachte Staunenswertes zutage. Ina spielte ein kleines Stück auf dem Qanun, obwohl sie vor vier Tagen noch nicht einmal wusste, wie ein Qanun funktioniert und sich mühsam die Spieltechnik aneignen musste. Verena hätte nie gedacht, dass sie nach nur einem Wochenende vier anspruchsvolle klassisch- arabische Lieder einem größeren Publikum vortragen könnte. Die zahlreichen Virtuosen auf dem Oud aus der Klasse von Adel Salameh spielten bereits ein sehr anspruchsvolles Stück, das nur wenige Musiker der klassisch-arabischen Musik überhaupt spielen. Zwar ohne die für die arabische Musik so typischen Melismen, aber immerhin weitgehend fehlerfrei. Unterstützt wurde diese Darbietung von den Teilnehmern der Rhythmusklassen von Joss Turnball und Adel Shams El Din, die ihre Schüler mit den wichtigsten arabischen Rhythmen vertraut gemacht hatten.Die Anfänger aus der Klasse von Mustafa Said, die zum Teil vor diesem Workshop noch nie eine Oud in der Hand hatten, spielten ein kleines Stück ohne Verzierungen oder Improvisation.

Nach vier Tagen voller intensiver Übungsstunden nahmen viele Teilnehmer grenzübergreifende Freundschaften unter Gleichgesinnten mit und sicher auch eine große Bereicherung ihrer musikalischen Kenntnisse und ein vertieftes Verständnis der arabischen Kultur. Erfüllt von wunderbarer Musik ging man auseinander mit der Zusicherung: „Bis nächstes Jahr in Badenweiler!“