Donnerstag, 23 Oktober, 2014 10:56 AM

Arabisches Kulturzentrum in Mannheim

Bibliothek und Mediathek, Schulungs- und Tagungszentrum, Galerie und Konzertsaal, Kinderhort, arabisches Restaurant, Gästehaus - zu diesem baulichen Kern, den sich Ismat Amiralai wie eines der hypermodernen Einkaufszentren in den Golfstaaten vorstellt, soll ein orientalischer Garten als zusätzlicher, attraktiver Treffpunkt im Grünen kommen.


 

 

Aktuelles

Orientalischer Garten als „Fenster zur Arabischen Welt“

Die arabische Gemeinde in Mannheim, Heidelberg und der Region schaltet sich mit einem Paukenschlag in Form eines groß angelegten Kultur- und Bildungszentrums in die Konversionsdebatte ein: "Wir möchten in Mannheim ein Institut etablieren, das ein Fenster zur arabischen Welt öffnet", skizzieren Nadja Madani-Moudarres vom Verein Freunde Arabischer Kunst und Kultur und Ismat Amiralai, Leiter der Deutsch-Arabischen Gesellschaft Rhein-Neckar, ihren Vorschlag, den sie bereits seit geraumer Zeit gemeinsam mit arabischen und deutschen Intellektuellen, Künstlern und Lehrern entwickeln. Arbeitstitel: "Orientalischer Garten - Arabisches Kulturzentrum Medina".
Gegenwärtig, so ihre Einschätzung, sprechen viele Faktoren dafür, das ehrgeizige Vorhaben zeitnah in die Tat umzusetzen. Dabei wollen sie möglichst viele Deutsche und hier lebende Menschen aus Arabien und den angrenzenden Regionen ansprechen und einen Beitrag zur Bewerbung Mannheims als europäische Kulturhauptstadt leisten.
Offene Ohren in Katar
Vor Ort in Mannheim, so zählen sie auf, bieten die freiwerdenden amerikanischen Kasernen die nötigen Flächen, auf denen das auch baulich anspruchsvolle Zentrum errichtet werden könnte. Der arabische Frühling erlaube es zudem, in viele der Staaten offizielle Kontakte zu knüpfen, in denen dies früher eher schwierig war. Als Finanzier des letzten Endes "sicher in die Millionen gehenden Projektes" wollen die Araber der Region die Regenten-Familie Al-Thani in Katar gewinnen.
"Wir wissen zum einen, dass man besonders in den Emiraten sehr daran interessiert ist, Kulturförderung in Europa zu betreiben", erläutert der 72-jährige Amiralai, der 1960 als Kunststudent aus Syrien nach Mannheim kam, wieso man ausgerechnet auf Katar setzt: "Die notwendigen Verbindungen in die Golf-Region bestehen, wir würden dort auf offene Ohren stoßen!"
Wie berichtet, hat der Vorschlag bereits prominente Unterstützer. Der aus Syrien stammende Schriftsteller Rafik Schami ("Das Geheimnis des Kalligraphen") hat seine Mitarbeit in dem Zentrum bereits fest zugesagt. Die irakisch-britische Star-Architektin Zaha Hadid, der Amiralai das Projekt schon 2007 unterbreitete, zeigte sich sogar schriftlich "höchst interessiert daran, das Kulturzentrum zu gestalten". Konzerte, Ausstellungen, Seminare, Symposien - die Liste der Aktivitäten, die Islamwissenschaftlerin Madani-Moudarres und Künstler Amiralai in dem arabischen Zentrum ermöglichen wollen, ist lang.
Bibliothek und Mediathek, Schulungs- und Tagungszentrum, Galerie und Konzertsaal, Kinderhort, arabisches Restaurant, Gästehaus - zu diesem baulichen Kern, den sich Ismat Amiralai wie eines der hypermodernen Einkaufszentren in den Golfstaaten vorstellt, soll ein orientalischer Garten als zusätzlicher, attraktiver Treffpunkt im Grünen kommen. Neben kulturellen Veranstaltungen planen die Macher auch ein Angebot für die hier lebenden Araber wie Familienseminare, Bewerbungstraining, Sprachunterricht oder einen Treffpunkt für deutsche und arabische Jugendliche.
Um den Austausch auch auf wirtschaftlicher Ebene zu fördern, sind darüber hinaus interkulturelles Training für Unternehmer und Manager sowie Aktivitäten zum Ausbau der Geschäftsbeziehungen gerade auch für regionale Unternehmen geplant.
Thorsten Langscheid, 14. Januar 2012
Quelle: morgenweb.de/mannheim